Tag des offenen Denkmals in Weingarten: Haus Krumes

Bericht aus der Turmbergrundschau:
„Modernes Büro im renovierten historischen Schulgebäude“

Das Haus Krumes öffnete am „Tag des offenen Denkmals“ seine Pforten

Etwa 8 000 historische Bauten, Parks und ähnliche Stätten öffneten am „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag deutschlandweit ihre Türen. Das Motto in diesem Jahr lautete „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. In Weingarten nahm sich auch in diesem Jahr der Bürger- und Heimatverein gemeinsam mit Richard und Brunhilde Krumes des Anliegens an, indem diese die Pforten ihres historischen Hauses in der Kirchstraße 27 öffneten. Außerdem waren auch das „Museum im Turm“ und der Fränkische Hof für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich.

Das diesjährige Thema wurde konkretisiert unter dem Stichwort „Modernes Büro im historischen Gebäude“. So konnten die Besucher in einem repräsentativen Raum des Steuerbüros von Brunhilde Krumes im Erdgeschoss des Hauses nachvollziehen, wie ein saniertes Gebäude auch modernen Ansprüchen gerecht werden kann. Die Familie Krumes hat das Anwesen 1979 von der Gemeinde erworben und vorbildlich durch eine vorbildliche Renovierung trotz moderner Nutzung seinen Charakter erhalten.

Und in der Tat hat dieses Denkmal geschützte Gebäude im Herzen von Weingarten einiges an Historie zu bieten: Es wurde 1720 erbaut und war bis zur Abschaffung der Bekenntnisschulen und Einführung der Simultanschule 1876 im Großherzogtum Baden das katholische Schulhaus. In ihm erblickte einer der berühmtesten Söhne Weingartens, der letzte General von Papst Pius IX., Baron Hermann von Kanzler, im März 1822 das Licht der Welt. Er starb 1888 in Rom und ist dort auf dem Hauptfriedhof in einer bis heute bestehenden Grabkapelle beigesetzt.

Der Bürger- und Heimatverein hatte im ehemaligen Weinkeller des Hauses eine Präsentation zu General Kanzler erarbeitet und darüber hinaus auch zwei Schautafeln zu seiner vielfältigen Arbeit aufgestellt. Außerdem präsentierte er dort auch sein umfangreiches heimatkundliche Literatur mit interessanten Büchern und Broschüren.

Zurück zur Geschichte: Nach der Auflassung als katholisches Schulhaus wohnten in dem Gebäude, das inzwischen in den Besitz der politischen Gemeinde übergegangen war, mehrere Lehrer mit ihren Familien. Einer davon war der Hauptlehrer Friedrich Johann Meyer (1877 bis 1946). Er war der Vater des bekannten Malers Helmut Meyer-Weingarten, der später seinem Familiennamen zur Unterscheidung von anderen Künstlern seinem Geburtsort hinzufügte.

Den 25. Todestag des Künstlers, der sich heuer zum 25. Male jährt, nahmen Richard und Brunhilde  Krumes zum Anlass einige Originalbilder des Malers im Erdgeschoss auszustellen. In der Präsentationen befanden sich eigene Werke sowie Bilder im Besitz der Bahnhofapotheke Kallenbach und des Bürger- und Heimatvereins, die hauptsächlich Motive aus Weingarten zeigen. Der Besuch der Ausstellungen im Haus Krumes war trotz des regnerischen Wetters insgesamt zufriedenstellend.

Die Familie Krumes sowie der Bürger- und Heimatverein verzichteten auf ein Bewirtung, denn an diesem Tag feierte der Akkordeon-Spielring Weingarten sein traditionelles Sommerfest im ebenfalls Denkmal geschützten „Fränkischen Hof“. Dort war außer der musikalische Unterhaltung auch für das leibliche Wohl der Besucher bestens gesorgt ist.

Der „Tag des offenen Denkmals“ ist der deutsche Beitrag zu den European Heritages Days unter der Schirmherrschaft des Europarats. Alle 50 Länder der europäischen Kulturkonvention beteiligen sich daran. Seit 1993 koordiniert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals bundesweit. Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.tag-des-offenen-denkmals.de und auf der Homepage www.bhv-weingarten.de.

Bericht: Turmbergrundschau, Marianne Lother
Bild: Marianne Lother