Straßen, Wege und Brücken: Gemeinde plant Sanierungen

Im Ausschuss für Umwelt und Technik ging es Anfang der Woche unter anderem um die “Konzeption zur Unterhaltung von Straßen, Wegen und Brücken”. Das berichtet die Gemeinde Weingarten. Eine darauf spezialisierte Firma hat die Wege und Straßen in Weingarten systematisch analysiert und festgehalten, in welchem Zustand sich diese befinden und wie dringend sich die Sanierung der einzelnen Abschnitte darstellt. Mit dieser Analyse als Basis möchte die Gemeinde nun nach und nach die “Baustellen” abarbeiten. Dazu soll unter anderem ein eigenes Tiefbauteam im Bauhof zum Einsatz kommen. Außerdem sollen die Brücken nach und nach saniert werden. Die erste Maßnahme wird voraussichtlich der Neubau der Brücke in der Blumenstraße sein.

Hier findet Ihr den Bericht der Gemeinde Weingarten: 

Das Straßennetz zählt zu den größten Vermögenswerten einer Kommune und verdient darum besondere Aufmerksamkeit. Die gesetzlichen Grundlagen sehen vor, Vermögensgegenstände mindestens alle 3 bis 5 Jahre durch eine körperliche Inventur aufzunehmen. Nur so sei gewährleistet, dass die bilanzierten Werte in der Buchhaltung mit den realen Werten übereinstimmen, denn der Wert des Straßennetzes reduziert sich durch Schäden und Verschleiß schneller als angenommen und nicht linear.

Aus diesem Grund hat die Verwaltung in 2019 eine Bestandsaufnahme und Zustandsanalyse der befestigten kommunalen Straßen in Auftrag gegeben. Franz Fippinger, Geschäftsführer der Gesellschaft für Straßenanalyse (GSA) hat die Ergebnisse im AUT vorgestellt. Für jeden Abschnitt des 78 Kilometer langen Straßennetzes, davon 87 % Asphalt, seien die Schadensmerkmale aufgenommen worden und eine Prognose erstellt, was passiere, wenn nichts unternommen werde. Der Vorgang bestünde aus der Datenerfassung, der Prognose, der Ermittlung des optimalen Eingriffszeitpunkts und der Budgetoptimierung. Das führe zum Werterhalt.

Experten empfehlen Sanierungskonzept
Alle festgestellten akut erforderlichen Maßnahmen in der Straßenfläche betragen in Weingarten 804.000 Euro. Eine Handlungsempfehlung sei ein Sanierungskonzept für alle Straßen. Straßen, bei denen der optimale Zeitpunkt zur Sanierung bereits überschritten sei, seien Risikostrecken. Werde dagegen rechtzeitig eingegriffen, spare das Geld durch Vermeidung größerer Schäden. Eine systemische Planung sei erforderlich unter Berücksichtigung der Finanzplanung. Welche Straßen sollen unterhalten, welche erhalten werden, welche seien Risikostrecken.

Bürgermeister Eric Bänziger begann zu rechnen: 354.000 qm Asphalt. Davon seien Straßen auf 50 Jahre Abschreibungszeit ausgelegt, Wohnwege auf 80 Jahre. Nach der Hälfte der Zeit sei die Verschleißdecke zu erneuern. Dann komme bei 200 Euro pro Quadratmeter eine Summe von 70,8 Millionen Euro Kapital zusammen, die es zu erhalten gelte, das entspreche im Durchschnitt einem Betrag von 1,4 Millionen jährlichem Aufwand. Das sei ein Anhaltspunkt um die Qualität zu erhalten und wichtig für die Finanzbuchhaltung.

Hans-Martin Flinspach (WBB) meinte, diese Analyse sei eine wichtige Grundlage. Die Kanalbefahrung zur Schadensklassenermittlung sollte mit einbezogen werden. Bänziger bestätigte, dass man strukturiert an das Thema herangehen werde. Klaus Holzmüller ergänzte, man solle die Deckschichten nicht vernachlässigen, sonst leide der Unterbau. Das Gremium nahm den Vortrag vorläufig zur Kenntnis. Das Thema soll dauerhaft in die Haushaltsplanung aufgenommen werden.

Tiefbauteam des Bauhofs soll Wegebau teilweise übernehmen 
Dann berichtete der Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Gebäudemanagement, Gerd Weinbrecht. Im Haushalt 2021 sei die Verwaltung mit einem Budget von 100.000 Euro in die Planung gegangen und werde davon die notwendigsten Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit durchführen. Es sei beabsichtigt, innerhalb des Bauhofes ein Tiefbauteam aufzustellen, das solche Maßnahmen, speziell im Wegebau, übernehmen könne. Er präsentierte eine Prioritätenliste von anstehenden Maßnahmen. Vieles sei auch mit einfachen Mitteln zu erledigen. Klaus Holzmüller mahnte, diese müsse kritisch betrachtet und von Fall zu Fall entschieden werden.

Brückenbau
Zum Brückenbau berichtete Weinbrecht von einem Mehrjahresplan von 2018 bis 2024, der aus der Bestandsaufnahme der Brücken durch das Büro Rothenhöfer im Jahr 2018 entwickelt worden war. Dieser Plan ging von einem Gesamtvolumen von knapp drei Millionen Euro aus. Bis Stand heute habe sich dieses Volumen um fast eine halbe Million verringert. Einerseits seien notwendige Maßnahmen erfolgt, andererseits wurden zwei Brücken als Landeseigentum erkannt.

Für 2021 sei folgendes geplant: Die Brücke Blumenstraße solle durch einen Neubau ersetzt werden. Die Kosten betragen 63.000 Euro inklusive der Begleitung durch ein Ingenieurbüro. Das sei gegenüber einer Fremdvergabe der Arbeiten eine Einsparung von 37.000 Euro. Auf den Hinweis von Werner Burst, die Brücke sei erst in diesem Jahr überarbeitet worden, erklärte Bänziger, das sei der Verkehrssicherungspflicht geschuldet gewesen.

Weitere Positionen in der Prioritätenliste sei die Brücke an der Schafstraße. Sie soll ebenfalls in Eigenleistung durch einen Neubau ersetzt werden. Die Sanierung der Brücke Bronnloch, der Rückbau der Brücke Schmalensteinweg und der Rückbau des Bauwerks Weidgraben sollen ebenfalls in Eigenleistung erfolgen. Die empfohlenen Maßnahmen sollen schrittweise umgesetzt werden, wobei die Kostenschätzung des Ingenieurbüros durch Eigenleistung immer wieder erheblich unterschritten werden könne. Ziel sei die deutliche Verringerung der Gesamtkosten bis 2024, speziell auch durch Einsatz von Eigenleistung.

Bericht: Gemeinde Weingarten
Foto: Symbolbild, MeinOrt