Sonderausstellung: Historie des Weingartner Ortskerns

Nur am Sonntag – Ausstellung des Bürger- und Heimatvereins im Walkschen Haus: “Rund um den Weingartner Kirchplatz”

Bericht aus der TBR: Der Kirchplatz im Ortszentrum Weingartens präsentiert sich nach seiner Um- und Neugestaltung seit Ende Mai in neuem Glanz. Aus diesem Anlass zeigt der Bürger- und Heimatverein während des Wein- und Straßenfestes nur am Sonntag, 14. Juli, ab 11 Uhr die Ausstellung „Rund um den Kirchplatz“ im Romantiksaal des Hotel-Restaurants Walk`sches Haus am Marktplatz. Der Eintritt ist frei.

Die historischen Fotos und die erläuternden Texte zeigen anschaulich Weingartens Ortszentrum im Wandel der Zeit. Am Kirchplatz ging es im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts noch recht beschaulich zu. Am „Gailbumber“ sind auf dem Foto des Archivs Anian W. Steinert noch die Furt durch den Walzbach und viele Gänse zu erkennen, die sich dort tummeln. Die Bezeichnung „Gailbumber“ geht auf das Dialektwort für Pferde bzw. Gäule zurück. Die Bauern konnten damals mit ihren Pferden oder Kühen die Furt durchfahren und dabei auch das Vieh tränken, es konnte sich gleichsam „vollpumpen“. In der Hitze des Sommers war das auch für die damals gebräuchlichen eisenbereiften landwirtschaftlichen Wagen aus Holz gut. Denn das Wasser im Walzbach ließ das Holz der Räder leicht anschwellen, so dass sich die Eisenreifen wieder fester mit dem Holz verbanden. Diese Prozedur machte man im Herbst auch mit den Most- und Weinfässern. Denn diese wurden, wenn sie geputzt waren, zunächst mit Wasser gefüllt, um zu überprüfen, ob sie auch dicht waren. Diesen Vorgang bezeichnet man im Weingartner Sprachgebrauch bis heute als „Verlechen“.

Foto aus dem Archiv von A.W. Steinert

Erst nach 1938 wurde das südliche Ufer des Walzbachs mit einer Mauer gefasst. Einen Tag nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 reiste ein Demoliertrupp der Nationalsozialisten aus Durlach an und verwüstete die damalige im Maurischen Stil erbaute Synagoge der jüdischen Gemeinde, die sich hinter der katholischen Kirche an der Einmündung der heutigen Keltergasse befand. Die evangelische Pfarrersfrau und der katholische Kaplan versuchten vergeblich, die Verwüstung des Gotteshauses zu verhindern. Erst der Hinweis eines Weingartener Feuerwehrmanns auf die Gefahr für die Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft verhinderte, dass die angereisten Demolierer die Synagoge niederbrannten. Bis dahin war auch die heutige Keltergasse nach dem Standort der Synagoge benannt.

Die Nationalsozialisten ließen danach die Synagoge abbrechen. Mit
deren Kalksteinen wurde dann das südliche Ufer des Walzbachs am
Kirchplatz gefasst und die Furt dadurch beseitigt. So stellte sich seither die Situation am hinteren Kirchplatz dar, bis bei der jetzigen
Neugestaltung die hohe Bachmauer aufgebrochen und die so genannte Bachbühne geschaffen wurde. Sie soll nach dem Willen der Planerin Elke Gericke vom Büro Modus Consult und des Gemeinderats das Element „Wasser“ stärker als bisher erlebbar machen und sie wird inzwischen von Kindern und Erwachsenen auch gut angenommen.

Bericht: Marianne Lother, TBR
Bild: MeinOrt, Archiv