Nahwärmenetz Weingarten – so gehts weiter

Ein Bericht der Gemeinde Weingarten aus dem Ausschuss für Umwelt und Technik:

Sachstand Nahwärmenetz

In Weingarten besteht ein Nahwärmenetz, welches die Turmbergschule, das Rathaus und die am Rathausplatz angrenzenden Wohn- und Geschäftsgebäude mit Wärme versorgt. Energieträger sind Hackschnitzel aus dem Weingartner Wald. Die Anlage befindet sich direkt bei der Schule. Grundlage ist ein Wärmelieferungscontracting mit der Firma WTS Thomas Vollmer, der auch mit den Ingenieurleistungen für das Nahwärmenetz betraut war. Dieser Contractingvertrag läuft noch bis August 2024.

Wärme aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, dazu noch aus dem eigenen Wald, schien dem Gemeinderat ein schlüssiges und kostensparendes Konzept zu sein, das er gern fortgeführt hätte. Als 2013 das Sanierungsgebiet „Ortskern“ angestoßen wurde, beschloss der Gemeinderat, das Nahwärmenetz in dieses Gebiet hinein zu erweitern. Das sollte in zwei Ausbauschritten geschehen. Der erste Schritt war die Anbindung des Areals „!mittendrin leben“, der zweite das Nahwärmenetz über das komplette Sanierungsgebiet. Voraussetzung dafür war allerdings eine Beteiligung von anschlusswilligen Grundstücksbesitzern von mindestens 50 Prozent. Mit dem Investor Hoepfner Chambord wurde 2015 ein Durchführungsvertrag geschlossen, um „mittendrin leben“ mit Wärme aus eigenen Hackschnitzeln versorgen zu können. 2016 wurde bei dem neu aufgelegten Landesprogramm „Klimaschutz mit System“ ein Förderantrag gestellt und Weingarten erhielt eine Zusage über einen Zuschuss von einer Million Euro. Doch trotz großer Öffentlichkeitsarbeit der Umwelt- und Energieagentur wurde die vom Gemeinderat geforderte verbindliche Anschlussquote von 50 Prozent im Voraus nicht erreicht. Folglich wurde der Ausbau des Nahwärmenetzes im Sanierungsgebiet fallengelassen. Die Anbindung des Areals „!mittendrin leben“ hat sich um mehrere Jahre verzögert. Im Januar 2019 hat die Verwaltung zusammen mit der Umwelt- und Energieagentur schließlich den Förderantrag aus dem Programm „Klimaschutz mit System“ reduziert und ausschließlich auf die Anbindung des Areals sowie die direkt angrenzenden Wohngebäude der Friedrich-Wilhelm-Straße bezogen. Das mögliche Fördervolumen beträgt jetzt 140.000 Euro.

Wie geht es nun weiter? Das Bauvorhaben „!mittendrin leben“ ist so weit fortgeschritten, dass nach aktuellem Stand bis 1. Oktober die Lieferung von Wärme ermöglicht werden müsse, berichtete Bürgermeister Eric Bänziger dem Ausschuss für Umwelt und Technik. Der geplante Ausbau der Turmbergschule und der wahrscheinliche Anschluss eines neuen Gemeindezentrums an die Wärmeversorgung müsse zusätzlich berücksichtigt werden. Daher sei es aus Sicht der Verwaltung sinnvoll, die weitere Zusammenarbeit mit der Firma WTS zu suchen. Für die künftige Finanzierung sollte jedoch eine Abgrenzung zwischen dem Netz im Eigentum der Gemeinde und der Wärmelieferung durch die Firma WTS stattfinden. Damit würde die Gemeinde keine Finanzierung der Wärmeerzeugungsanlagen von „mittendrin leben“ übernehmen. Damit wäre auch der Antrag „Klimaschutz mit System“ nicht mehr aufrecht zu erhalten. Anstatt zwei der geplanten Blockheizkraftwerke sei nur noch eines bei der Schule realistisch da die „große Erweiterung“ nicht eintreten werde, sagte Bänziger.

Das Gremium nahm die Information über den Sachstand und das mögliche weitere Vorgehen zur Kenntnis. Gerhard Fritscher (CDU) beantragte jedoch, den Beschluss von damals in Bezug auf die Kosten noch einmal zu überprüfen und dann erst die Vertragsgestaltung mit WTS im Verwaltungsausschuss zu diskutieren. Außerdem könnte ein weiterer Aufruf zur Teilnahme gestartet werden.  Somit lautete der einstimmig gefasste Beschluss, den Zwischenbericht zur Kenntnis zu nehmen, die beschriebene Abgrenzung beizubehalten und die Verwaltung zu beauftragen, das weitere Verfahren mit der Umwelt- und Energieagentur abzustimmen und mit der Firma WTS in Verhandlungen zu treten. Die Entscheidung wird im Gemeinderat getroffen.

Bericht: Ausschuss für Umwelt und Technik, Gemeinde Weingarten
Bild: Symbolbild, Pixabay