Nachbericht: So war das 25. Wein- und Straßenfest

Bericht aus der TBR: Das 25. Wein- und Straßenfest – Lea Geigle ist neue Weinkönigin
Ein schwungvoller Marsch des Musikvereins, Kanonendonner durch
den Schützenverein und ein paar gezielte Hammerschläge von Bürgermeisterstellvertreter Gerhard Fritscher: Das 25. Weingartner Wein- und Straßenfest war eröffnet.

„Herzlich willkommen in unserem schönen Weindorf!“
rief Fritscher den sehr zahlreich erschienenen Gästen zu. Unter ihnen befanden sich eine Delegation aus der Partnerstadt Olesa de
Montserrat, Gemeinderäte, Vereinssprecher Karlernst Hamsen, der
Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer und die Spargelhoheiten aus Graben-Neudorf, Melissa und Mariola. „Das Dorf beginnt zu blühen, wenn die Traube aufgehängt wird“ begann er und beschrieb damit treffend die Vorfreude, die die Weingartner mit diesem Fest, das alle zwei Jahre stattfindet, verbindet. Aber das wichtigste Thema war das Wetter. Nach dem verregneten Auftakt – erstmals bereits – am Freitagabend versuchte es Karlernst Hamsen mit Magie: Das böse Wort mit „R“ dürfe nicht mehr ausgesprochen werden, sonst gebe es einen Platzverweis. Für die launige Idee erntete er zwar beifälliges Lachen, aber helfen tat sie letztendlich nicht.

Die königliche Fahrt mit der Pferdekutsche
Um 18.15 Uhr brach der Musikverein auf, um die Kutsche zu begleiten, die die Hoheiten und die neuen Bewerberinnen Cristina Kolar Domingo, Charlotte Zimmermann und Lea Geigle am Rathaus abholen und eine Runde durchs Dorf fahren sollte. Dieser Augenblick, den am Straßenrand stehenden Passanten zuzuwinken, sei schon ein sehr tolles Gefühl gewesen, bekannte die künftige Königin nach ihrer Wahl. Am Rathaus angekommen, wurden die drei jungen Damen begeistert in Empfang genommen und präsentierten sich in einem ersten großen Auftritt „ihrem“ Volk. Kenntnisreich konnten sie die ihnen von Frank Gauss, dem Chef der Weinmanufaktur, gestellten Fragen beantworten und wussten – entsprechend der Vorwahl im Turmzimmer – mit  Charme und Leidenschaft für das Amt zu überzeugen. Lea Geigle gelang das offenbar besonders, obwohl sie nach ihren eigenen Worten
„sehr nervös und aufgeregt“ gewesen sei. Aber als sie der Besuchermenge gestand, es sei ihr Wunsch, Weinkönigin zu werden, „um die Tradition fortzusetzen“, denn Ihre Mama und ihre Oma seien schon Weinkönigin gewesen, flogen der 18-jährigen Gymnasiastin die Herzen zu. Doch noch war sie nicht gewählt.

Nur wer einen Propeller fängt, darf wählen
Nun ging es daran, die Stimmberechtigten zu ermitteln. Gauss, Hamsen, Fritscher und die vorherigen Weinhoheiten verschossen kleine Propeller in das Volk und es entstand ein tolles Gedränge und Gerangel, um einen der bunten Dinger zu erhaschen. Wem das gelang, der durfte abstimmen. Die Urne verschwand im Rathaus und die Stimmen wurden ausgezählt. Nun hatten die Festbesucher Zeit, sich an den Ständen zu verweilen.

Musikbands an den Ständen verliehen dem Fest ein vielseitiges Flair
Aber mehrere Schauer verhinderten den von früheren Jahren gewohnten ganz großen Zustrom. Dennoch ließen sich die Festbesucher nicht unterkriegen. Unter Zeltdächern und großen Schirmen
waren die trockenen Plätze gefüllt und so wurde ausgelassenes Feiern eben in gemütliche Hockete umgemünzt. Mehrere Vereine hatten eigene Bands organisiert, die guten Anklang fanden, denn sie
gaben dem Fest an jeder Ecke ein eigenes Flair. Einen Mix von Rock,
Blues und Funk vom „Dreimannquartett“ an der Hartmannsbrücke,
Pop und Party von den „Grombachern“ auf dem Kirchplatz und Cajon und Gitarre von der „Uptown Band“ auf dem Rathausplatz. Dennoch gab es immer wieder Unterbrechungen und Verzögerungen, um die empfindliche Elektronik vor allzu schlimmen Regenschauern zu schützen. Ein reichhaltiges Angebot an Speisen und Getränken tat ein Übriges, um dem Fest ein facettenreiches Gesicht zu geben. Vom Burger bis zum Jägersteak mit Knödel war jede Geschmacksrichtung und jede Größenordnung vertreten. Sonderaktionen wie ein Riesentrampolin oder Geschicklichkeitsspiele sowie mehrere Musikgruppen auf
der Hauptbühne unter der souveränen und gekonnten Moderation
des stellvertretenden Vereinssprechers Gerhard Lampert ließen keine Langeweile aufkommen. Auch ein kleiner Vergnügungspark mit Kinderkarussell, Dosenwerfen und Süßigkeitsverkauf fand Interessenten. Allem Regenwetter zum Trotz war der Rathausplatz prall gefüllt, als das Fest seinen Höhepunkt erreichte: Die Wahl der Weinkönigin

„Lea I.” ist Weingartens neue Weinkönigin
Drei Stunden später waren die Stimmen ausgezählt und Bürgermeisterstellvertreter Gerhard Fritscher verkündete das
Ergebnis. „Ich kann Ihnen verraten, sie ist eine Blondine und
sie heißt – Lea.“ Das Ergebnis sei so knapp gewesen wie nie
zuvor. Der Schützenverein startete ein leuchtendes knallendes Feuerwerk, die Fotografen drängelten sich, Blumensträuße, Glückwünsche und Umarmungen. Es gab keine enttäuschten
Gesichter bei den beiden anderen, denn sie wussten: „Wir sind
ein Team“. So wie es ihnen die scheidende Königin Laura I. in
ihrer Abschiedsrede mitgegeben hatte: „Wir haben es einander
gegönnt, denn wir hatten alle eine tolle Zeit, egal welches Krönchen“. Und Margarethe Hauswirth, ehemalige Weinprinzessin,
kommentierte: „An die Zeit als Weinhoheit erinnert man sich
ein Leben lang.“

Der Sonntagvormittag war total verregnet
Bis dahin war die Welt für die Vereine noch einigermaßen in
Ordnung. Doch als am Sonntagmorgen ein länger anhaltendes
„Starkregenereignis“ über die ganze Region herunterging, entschloss sich der SV Germania zum vorzeitigen Abbau. Sogar eine
Unwettermeldung kam noch herein und um 18 Uhr sollte das
Fest ohnehin beendet sein. Die Crêperie und der Flammkuchen
Sepp, der von der Kolpingsfamilie bewirtschaftet wurde, blieben
geschlossen und das geplante Entenrennen wurde auf den kommenden Sonntag verschoben. „Das Wasser im Bach ist sehr kalt
und steht so hoch, dass es unseren Helfern in die Stiefel läuft“, erklärte Harald Wagner. „Da bleibt eine handfeste Erkältung nicht
aus“. Die übrigen Vereine blieben mit allerlei Galgenhumor bei
der Stange. Die Tanzgruppe „Esbart Olesa“ zeigte auf der gut überdachten Hauptbühne ihren Tanz, der Gottesdienst fand statt, der Posaunenchor spielte und die Musiker auf den Kleinkunstbühnen traten ebenfalls, zumindest teilweise, auf.

Ausstellung: „Rund um den Kirchplatz“
Eigens zum Straßenfest auf dem neu gestalteten Kirchplatz hatte der Bürger- und Heimatverein eine Ausstellung zusammengestellt, die im Romantik-Saal des Walk’schen Hauses gezeigt
wurde. Sie war nur am Sonntag zu sehen und gut besucht. Das
Konzept war durchaus wörtlich zu nehmen, denn gezeigt wurden
Gebäude, die alle rund um den Kirchplatz stehen und mit ihm zu
tun haben. Beginnend bei der Simultankirche über den Gailbumber am neuen Pfarrhaus vorbei zum Walk‘schenHaus, über die
Marktbrücke zum Rathaus ab 1902 bis zur Häuserfront entlang
des Marktplatzes war die Ausstellung für historisch Interessierte
äußerst informativ. Die Texte berichteten von der historischen
Entwicklung des Kirchplatzes seit der Zeit als er noch Gailbumber hieß und warum bis zur heutigen modernen Gestalt, entworfen vom Planungsbüro Modus Consult. Die Texte waren sehr gut
lesbar, nicht zu lang und die Fotos durch die teilweise Gegenüberstellung von alt und neu sehr ansprechend.

Bericht: Marianne Lother, TBR