Mastjahr 2020: Eicheln haben Hochsaison

Wie die Gemeinde Weingarten online berichtet, kommt dsa eigentlich nur sehr selten vor. Dieses Jahr allerdings zum zweiten Mal in Folge. Die Forstabteilung ist deshalb gerade damit beschäftigt, Eicheln zu sammeln. Hier der Bericht:

Wer regelmäßig durch den Weingartner Gemeindewald streift, wird es sicher bemerkt haben: Es gibt überdurchschnittlich viele Eicheln dieses Jahr. Gemeindeförster Michael Schmitt schätzt den Ertrag auf ca. 30 Eicheln pro Quadratmeter. Das bedeutet: 2020 ist ein Mastjahr für Eichen. „Etwas ganz Besonderes“, berichtet Schmitt. „Während Buchen jedes Jahr eine Vollmast aufweisen, tritt das bei Eichen deutlich seltener auf, normalerweise nur alle acht Jahre. Ein Eichen-Mastjahr kann im Einzelfall sogar mal bis zu 15 Jahre lang ausbleiben. 2020 allerdings erleben wir das zweite Mastjahr in Folge – und das trotz anhaltender Trockenheit.“

Für den Förster und sein Team bedeutet das momentan: Kiloweise Eicheln sammeln. Denn diese sind ein wertvolles Gut. Früher hat man die Schweine zur „Eichelmast“ in den Wald getrieben – dort sollten sie sich dann satt fressen. In Mastjahren bedeutete das: Wohlgenährte Schweine und somit ging es auch den Menschen gut.

Tonnenweise Eicheln für neue Bäume
Heute sind die Eicheln von besonderer Bedeutung für die Pflanzenzucht, so der Förster. Die Nachfrage war auf dem Pflanzenmarkt in der Vergangenheit gering, außerdem haben die Bäume in den letzten Jahren nicht so viel abgeworfen wie bei der Vollmast. Momentan steigt die Nachfrage wieder. Das Angebot an Jungpflanzen ist aktuell überschaubar, so Schmitt. Mit eigenen Pflanzen wolle man dem entgegenwirken. Das Team der Forstabteilung sammelt deshalb zurzeit fleißig Eicheln. Das Zeitfenster zum Eicheln Sammeln ist klein – die hohe Wildschweinpopulation macht dem Team Konkurrenz.

1 Tonne Eicheln möchte der Förster in den kommenden Tagen beisammen haben. Die Ausbeute wird zur sogenannten „Lohnanzucht“ gebracht. Ein Pflanzenlieferant sät die Eicheln bei sich aus und nach zwei bis drei Jahren erhält Schmitt die entstandenen Setzlinge zurück. Diese dürfen dann nur im gemeindeeigenen Wald gepflanzt werden.

Beim Sammeln achtet der Gemeindeförster darauf, dass nur Eicheln von großen, gesunden Bäumen gesammelt werden, die schon über 120 Jahre standhaft sind. So erhofft man sich von den künftigen jungen Bäumen dieselbe Beständigkeit.

Eichen trotzen dem Klimawandel  
Aus einem Kilogramm Eicheln entstehen wenn es gut läuft rund 100 Pflanzen, so Schmitt. Denn nicht jede Eichel schafft es, zu keimen. Mögliche Feinde sind der Eichelbohrer, der sich – wie der Name vermuten lässt – in die Eichel bohrt und das Innere frisst. Diese Eichel kann dann nicht mehr keimen. Außerdem gefährden Schimmelpilze oder Mäusefraß die Pflanzung. Trotzdem ist der Gemeindeförster überzeugt von der Eiche: „Sie ist resistent und kommt vergleichsweise gut mit der Veränderung des Klimas zurecht. Deshalb pflanzen wir in den kommenden Jahren schwerpunktmäßig Eichen.“

Die Eichel-Sammelaktion ist voraussichtlich schon bald beendet. Sobald das Laub fällt, sind die Eicheln nur schwer zu finden.

Bericht: Gemeinde Weingarten