Kochen mit den Landfrauen

Dauerbrenner beim Ferienspaß – ein Bericht aus der TBR:

Wer kennt noch „Verheierte“?


„Kochen mit den Landfrauen“ ist ein Dauerbrenner im Ferienspaßprogramm und fast immer ausgebucht. Das Geheimnis liegt darin, dass stets Speisen gekocht werden, die Kinder gern mögen und die sie kennen. Dampfnudeln, Waffeln, Knäckebrot zum Beispiel. Dieses Mal war es anders. Die Landfrauen wollten im Ferienspaß ein Stück heimatliche Tradition vermitteln „Verheierte“ stand auf dem Programm und das brachte lediglich fünf Anmeldungen. Die Landfrauen waren entsetzt und schwenkten um.
Über die Restebörse auf der Homepage der Gemeinde wurde die Veranstaltung als „Überraschung“ angeboten und jetzt kamen 15 Kinder. Zubereitet werden sollten Schnitzel mit Pommes und Rohkostsalat. Aus Sicht der Landfrauen völlig richtig. Aus Sicht der Kinder auch. Aber das, was den Reiz der Sache ausgemacht hätte, war es nicht mehr. Nämlich Kinder von heute mit einem Traditionsgericht ihres Heimatortes bekannt zu machen. Sie in Omas Küche zu führen und ihnen zu erzählen, woher der Ausdruck „Verheierte“ stammt. Was für eine Bewandtnis es mit „arme“ und „reiche Verheierte“ hat und das Ganze mit einer kleinen Schilderung aus früherer Zeit ein bisschen anzureichern, wäre sicherlich auch auf Interesse gestoßen. Aus der Not eine Tugend gemacht

Aber die Landfrauen wussten sich zu helfen. Sie machten aus der Not eine Tugend, riefen die Kinder zusammen und erzählten ihnen einfach, was sie vorgehabt hätten. Dass „Verheierte“ ein typisches Gerichtist, das man nur in Baden kennt: Kartoffelschnitze mit Spätzle, zusammen in der Brühe, mit geschmälzten Zwiebeln dazu und Fleischwurststückchen oder Wiener. Und was sind „arme“ und „reiche Verheierte“? Die „Reichen“, erklärte Christa Stichnoth, basieren auf einer „Fleischbrühe“, die „Armen“ auf „Gemüsebrühe“.

Chiara hatte dafür eine Erklärung: „Fleisch war ja damals teuer.“ „Und Gemüse“, ergänzte Adrian, „hatte fast jeder im Garten“. „Feste Kartoffeln, die die Form behalten, müssen es sein“, wusste Alisa.
Mindestens zehn Kinder hatten schon zugesehen, wie Spätzle gemacht werden, entweder vom Brett geschabt oder mit dem Spätzlesdrücker. Auch die Frage, „Essen das nur Verheiratete?“ kam auf. Die Antwort wäre gewesen, dass eine gemeinsame Wohnung (in diesem Fall in einem Topf) früher nur für Verheiratete möglich war, aber das wurde nicht vertieft. „Verheierte“ sei ein Familienessen für alle, auch für junge Paare, es sei nicht erforderlich, dazu verheiratet zu sein. „Verheierte“ ist zwar aus dem gängigen Sprachgebrauch verschwunden, aber als Rezept im Internet auch unter diesem Namen durchaus noch auffindbar. Als am Ende eine der Landfrauen die Kinder fragte: „Wer von Euch hätte das denn gern gegessen?“ meldeten sich fast alle.

Bericht: Marianne Lother TBR
Bild: Symbolbild, Pixabay