Klartext: Pflanzenschutz, Insektensterben und die Winzer

Ein Bericht der Gemeinde Weingarten aus der TBR: Blühmischungen in den Weinbergen

Winzer, Landwirte und Obstbauern müssen düngen und Pflanzenschutz betreiben. Das ist notwendig und legitim. Dennoch werden sie vielfach dafür angegriffen und ihre Branche als Verursacher für das derzeitige Insektensterben an den Pranger gestellt. Kilian Schneider, Winzer aus der Gemeinde Schelingen am Kaiserstuhl, Aufsichtsratsvorsitzender der Winzergenossenschaft Oberbergen und Präsident des Badischen Weinbauverbands, dem auch Weingartener Winzer angehören, macht seinem Ärger darüber im Fachblatt „Der Badische Winzer“ Luft: „Die gelbe Weste abstauben“. Seiner Ansicht nach sei es nicht glaubhaft, dass Pflanzenschutz, wie er jahrzehntelang gehandhabt wurde, jetzt plötzlich die Ursache dieses Übels sei.

Eine ergänzende, aber positive Aussage zu diesem Thema machen die beiden Weingartner Winzer Bernd Lörz und Klaus Holzmüller. „Wir Weingartner Winzer der Weinmanufaktur Weingarten unterstützen einen nachhaltigen aber auch wirtschaftlich zukunftsfähigen Weinbau“, sagt Bernd Lörz. Um das Nahrungsangebot für die Insektenpopulation zu verstärken, habe die Gemeinde Weingarten mit Unterstützung von Bürgermeister Eric Bänziger den Winzern Blühmischungen zur Verfügung gestellt und die Kosten dafür übernommen. Die sogenannte „Wolff-Mischung“ wurde auf sieben Hektar in jeder zweiten Reihe ausgebracht und sei gut aufgegangen, berichtet er weiter. Die artenreiche Begrünung habe gut gewirkt. Insekten und Vögel seien in den Weinbergen mittlerweile wieder anzutreffen. „Jede zweite Reihe wurde umgebrochen“, ergänzt Klaus Holzmüller. Diese Bodenbearbeitung sei förderlich, denn dadurch werden Nährstoffe mobilisiert, die ansonsten den Pflanzen nicht zur Verfügung stehen würden. Luft und Wasser können dadurch besser die Wurzeln erreichen. Die in 2018 eingesäte Blühmischung, die von Insekten gut besucht werde, soll jetzt stehen gelassen werden. Dann verholze sie stärker und sei damit ein besserer Erosionsschutz im Weinberg.

Außerdem berichtet Holzmüller von einer neuartigen Methode der Unkrautbearbeitung, der sogenannten „Unterstockbearbeitung“. Dabei greift eine Maschine das Unkraut von der Wurzel her an, der Boden wird gelockert. Herbizide können weitgehend reduziert werden, lediglich Funghizide zum Schutz vor Pilzkrankheiten kommen noch zum Einsatz. Durch diesen unter verschiedenen Aspekten schonenden und verantwortungsvollen Umgang mit der Natur tragen Landwirte und Winzer positiv zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.

Bericht: Gemeinde Weingarten, TBR
Bild: Symbolbild, Pixabay