Historische Wappen wieder farbenfroh

Vielleicht ist es Euch bei einem Spaziergang in den letzten Tagen schon aufgefallen: Das historische “Metzgerwappen” am Anwesen Weickum, sowie das Wappen des Deutschritterordens am evangelischen Pfarrhaus sind nicht wiederzuerkennen. Die Farben sind bunt und kräftig. Über die Jahre sind die Wappen ganz schön verblasst gewesen, jetzt sehen sie wieder aus wie neu – fast. Denn die Farben und Gestaltung orientieren sich eng am historsichen Erscheinungsbild. Die Restaurierung ist komplett abgeschlossen – die Details dazu erfahrt Ihr im nachfolgenden Bericht der Gemeinde Weingarten:

Das Metzgerwappen über der Toreinfahrt des Anwesens Durlacher Str. 10 war zuerst fertig. Die Rechnung dafür habe sich durch unerwarteten Aufwand der Steinverhärtung etwas verteuert, berichtete Klaus Geggus. Dankenswerterweise habe Familie Rolf-Dieter Weickum diesen Betrag übernommen und sich mit der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe und der Gemeinde Weingarten somit ebenfalls an den Kosten beteiligt. Der vierte Sponsor im Bunde war der Bauunternehmer Michael Weickum, der über den gesamten Zeitraum das Gerüst kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

Das Wappen des Deutschritterordens
Dann hatte hat die Restauratorin Judith Fritz auch das zweite Wappen in Angriff genommen, das Wappen des Deutschritterordens am evangelischen Pfarrhaus. Beide Wappensteine sind aus Sandstein und von Zeit und Umweltverschmutzung entsprechend angegriffen. Auch das zweite Exemplar musste vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn zunächst gehärtet werden, um einer weiteren Bearbeitung überhaupt standhalten zu können. „Das zweite Wappen ist ein wesentlich flacheres Relief als das erste, deswegen wird die Arbeit hier einfacher sein“, meint die Fachfrau nach einer ersten Einschätzung. Die Girlanden und Ornamente des Ersten wiesen jedoch bis zu 12 cm tief geschnittene Einkerbungen auf, in denen sich die Feuchtigkeit hielt, was den Verwitterungsvorgang begünstigte.

Die Arbeit ist einfacher und doch schwieriger
Allerdings ist das Deutschorden-Wappen an der Giebelwand in einer Schrägstellung nach unten befestigt. Dadurch ist es dem Angriff des Regens bei weitem nicht so stark ausgesetzt, aber ein Nachteil dieser Position liegt darin, dass sie eine ständig gebückte Arbeitshaltung erfordert. Eine Woche später stieg Judith Fritz erneut auf das Gerüst und lüftete einen Zipfel der Verhüllung, um zu sehen, ob sie schon weiterarbeiten kann.  Das Material war soweit getrocknet und gehärtet, dass es möglich war, mit Aufbau und Ausbesserung schadhafter Stellen zu beginnen. Genau wie beim ersten Mal wurden auch hier mit kleinen scharfen Werkzeugen überflüssige Farbreste entfernt und zunächst die Risse verfüllt und Kleinigkeiten mit einem Teig aus Sandsteinmehl nachgeformt.

Historie und Farbgebung
Dieser Orden war in Weingarten bereits im 13. Jahrhundert präsent und widmete sich vorwiegend caritativen Aufgaben. Der Deutschordenshof brannte 1728 ab und wurde kurz danach wieder aufgebaut. Was am Giebel des heutigen Pfarrhauses bewundert werden kann, ist in der Schrift „Steinerne Zeugen aus Weingartens Vergangenheit“, herausgegeben vom Bürger- und Heimatverein, nachzulesen. Demnach handelt es sich um eine Kombination des Wappens des Fürstbischofs Clemens August von Bayern von 1748 mit dem des Deutschritterordens. Im innersten Herzschild liegt das Familienwappen des Fürstbischofs Clemens August von Bayern. Das Wappen des Deutschritterordens ist ein schwarzes, mit goldenen Lilien besetztes Tatzenkreuz. Das Schild liegt auf einem hermelingefütterten Purpurmantel, an der Spitze die Krone des Kurfürsten. Dahinter kreuzen sich, als Symbol der Fürstenbischöfe, Schwert mit goldenem Heft und silberner Scheide und ein goldener Krummstab. „Das Wappen“, berichtet Judith Fritz, „wurde mit Pigmenten in einem Bindemittel aus Kaliwasserglas überarbeitet und neu gefasst. Für die Metallauflagen wurde 24karätiges Blattgold und Blattaluminium (für Silber, das nicht wetterfest wäre) verwendet. Die silbernen Partien wurden mit einer Lasur versehen, um sie ins Gesamtbild einzustimmen.“

Quelle: Gemeinde Weingarten