Hauschor im Haus Edelberg

„What shall we do with a drunken sailor?” schallt eine kräftige Bassstimme aus dem Speisesaal des Seniorenzentrums “Edelberg”.

Einige Senioren und Seniorinnen sitzen dort und singen sich schon mal in Laune, während sie auf ihre Chorleiter warten. „Der Wunsch zu singen ging von den Bewohnern aus“, berichtet Pflegedienstleiterin Claudia Scholz. „Daraufhin haben wir letztes Jahr schon einige Weihnachtslieder gesungen und dann beschlossen, einen Chor zu gründen“. Es hat funktioniert. Zwischen zehn und 17 Teilnehmer seien es, Männer und Frauen, je nach Tagesform. „Im Grunde freuen sich die Bewohner sehr auf ihre Singstunde“, erklärt Claudia Scholz. „Sie achten drauf, dass sie ihren Friseurtermin nicht auf die Singstunde legen und kommen wirklich gerne, auch wenn die Teilnehmerzahlen stark schwanken.“ Dann berichtet sie über die äußerst positiven Auswirkungen des Singens auf die Gesundheit. Seitdem sie mit dem regelmäßigen Singen begonnen hätten, sei bei den Teilnehmern noch kein grippaler Infekt ausgebrochen. Auch die Psyche werde in Schwung gebracht, denn selbst Singen bringe Mut und Selbstvertrauen und erhöhe das positive Lebensgefühl. Ganz deutlich werde das in einem Brief einer Bewohnerin an die Heimleitung, die sich über den Chor und den Chorleiter sehr positiv äußere, berichtet Claudia Scholz und bekräftigt, dass alle Augen strahlen, wenn der junge Mann zu seiner Aufgabe komme. Denn zweimal wöchentlich ist Probe. Jeden Donnerstag kommt Mirko Mitschele ins Haus, er ist Dirigent und professioneller Stimmbildner, der in Kraichtal eine Gesangs- und Gitarrenschule betreibt. Olga Lipman-Ivanov begleitet die Gruppe am Klavier und leitet das Singen am Dienstag. Dann beginnt die Probe. Ganz professionell mit Atemübungen. „Die Hände auf den Bauch und tief Luft holen“, gibt Mirko vor. „Langsam tief ein- und wieder ausatmen. Das Zwerchfell muss arbeiten und beim Singen bitte den Mund weit öffnen.“ Von Wiederholung zu Wiederholung werden die Stimmen kräftiger. Plötzlich fängt eine Bewohnerin an zu husten und zu krächzen. Fürsorglich bringt Mirko ihr ein Glas Wasser und nimmt das zum Anlass, zu betonen, wie wichtig Trinken sei, um die Kehle feucht zu halten. Die nächste Übung enthält viele „g“, das fördert die akzentuierte Aussprache. Danach teilt Olga Textblätter aus. „Ab jetzt singen wir Weihnachtslieder, am 20. Dezember ist Weihnachtsfeier im Haus, da wird der Chor auch auftreten, so wie an den anderen Veranstaltungen auch“, erklärt sie. „Ihr Kinderlein kommet“, „Oh Tannenbaum“ und andere bekannte Volks-Weihnachtslieder erklingen. Zeile für Zeile lässt der Chorleiter proben, um zu hören, wo es noch hapert. Sitzt auch noch nicht jeder Ton ganz hundertprozentig, so ist die Freude an der Sache doch spürbar. Alle singen mit.

 

Quelle: TBR

Bild:Symbolbild