Gemeindewald: Warum müssen regelmäßig Bäume gefällt werden?

Bericht der Gemeinde Weingarten
Baumfällarbeiten im Gemeindewald: Das steckt dahinter
Wer in den vergangenen Tagen mal im Gemeindewald im Bereich Waldbrücke unterwegs war, wird vielleicht festgestellt haben: An einigen Stellen fehlen Bäume – zum Teil mussten ganze Areale gerodet werden. Dahinter stecken mehrere Beweggründe, berichtet Gemeindeförster Michael Schmitt.

Trockenes Klima macht Bäume kaputt
Noch immer gibt es zahlreiche Bäume, darunter vor allem Buchen, aber auch einige Eichen, die die vergangenen trockenen Sommer nicht überstanden haben. Aus Sicherheitsgründen müssen die dürregeschädigten Bäume gefällt werden. Das ist insbesondere entlang des Trimm-Dich-Pfads oder in der Nähe von Straßen wichtig.

 

Holz zur Finanzierung der Forstarbeit
Im Gemeindewald müssen aber nicht nur abgestorbene Bäume gefällt werden. Zur Finanzierung der Arbeiten muss Geld in die Forstkasse fließen. Deshalb werden auch schöne Eichen gefällt, die dann bei der Wertholzversteigerung in Bruchsal angeboten werden. Bei dieser sogenannten Wertholzsubmission bieten die Käufer auf einen Stamm in schriftlicher Form, an einem bestimmten Tag werden alle Angebote gesichtet und der Meistbietende erhält den Zuschlag. Nur durch diese und weitere Holzerlöse aus dem Gemeindewald können wichtige Maßnahmen wie die Instandhaltung der Wege und Straßen, Verkehrssicherung, Holzernte und die Anpflanzung neuer Bäume finanziert werden. Dazu kommen noch die Ausgaben für Lohnkosten, Versicherungen und vieles mehr. Rund 200.000 Euro nimmt die Forstabteilung jedes Jahr durch den Holzverkauf ein, sagt Gemeindeförster Michael Schmitt. Der eigentliche finanzielle Bedarf sei damit aber nicht gedeckt.

Junge Eichen brauchen Sonne zum Wachsen
Ein weiterer Grund für flächige Baumfällarbeiten ist die Eichennaturverjüngung. Das bedeutet: Die Eichen werden nicht von Hand gesetzt, sondern man lässt der Natur seinen Lauf. Eicheln fallen auf die Erde, keimen und bringen wiederum Eichensetzlinge hervor, die irgendwann zu Bäumen heranwachsen sollen. Das ist bei Eichen äußerst selten der Fall und kommt nur alle 10 Jahre vor, erklärt der Gemeindeförster. Wohingegen die Buche beispielsweise jedes Jahr Buchäckern abwirft und so neue Pflanzen entstehen können. Die Forstwirte der Gemeinde müssen bei der Eichennaturverjüngung warten, bis die Eicheln gekeimt sind. Oft kommen aber natürliche Feinde wie Pilzbefall oder hungrige Wildschweine und Mäuse in die Quere. Zu lange darf man den Eichen-Spross nicht ohne Unterstützung wachsen lassen. Denn: Gerade im Anfangsstadium brauchen die jungen Eichen viel Sonnenlicht. Um die direkte Sonneneinstrahlung zu ermöglichen, muss die Forstabteilung große Bäume um die Flächen herum rechtzeitig fällen. Im Gemeindewald gibt es keine größeren zusammenhängenden Waldflächen mit samenabwerfenden Eichen – so dass die Eichennaturverjüngung nur punktuell an vielen kleinen Flächen zu finden ist.

Im Detail: Förster Michael Schmitt erklärt die fachlichen Hintergründe
„Gerade Eichen die sehr energiehaltige Samen produzieren, neigen zu einer zyklischen Fruktifikation (Fruchtbildung) in sogenannten Mastjahren. In diesen Jahren wird ein Großteil der Assimilation, also der Energie, für die Samenbildung aufgewendet. Das Holzwachstum geht dabei stark zurück. Der Zeitabstand zwischen zwei Mastjahren ist regional sehr unterschiedlich und beträgt im Gemeindewald Weingarten ca. zehn Jahre. Bei unseren Buchen kommt es hingegen im Schnitt alle drei Jahre zu einer sogenannten Vollmast. Im forstlichen Sprachgebrauch spricht man von Vollmast, wenn alle Bäume eines Bestandes stark fruchten, von Halbmast, wenn ungefähr die Hälfte der Bäume fruchtet, von Sprengmast, wenn nur einzelne Bäume fruchten und von  Fehlmast, wenn kein Baum oder nur wenige Bäume fruchten.“

Warum braucht der Wald auch kaputte Bäume?
Diese Frage bekommt Gemeindeförster Michael Schmitt aus der Bevölkerung häufig gestellt, sagt er. Gerade entlang von eigentlich inoffiziellen Trampelpfaden im Gemeindewald, fällt auf, dass Baumstümpfe oder tote Bäume oftmals stehengelassen werden. Das hat einen wichtigen Grund: Für das natürliche Gleichgewicht im Wald ist es erforderlich, dass viele dieser Naturschutzbäume stehen bleiben, so Schmitt. Das ist nicht an vielen Orten möglich – aus Sicherheitsgründen müssen solche Bäume entlang von Straßen, offiziellen Wegen und Bahnstrecken entfernt werden. Tiere brauchen aber das absterbende Holz – zum Beispiel um Höhlen zu bauen; viele Insekten legen ihre Larven dort ab. Außerdem gibt es viele  Flechten, Moose und Pilze, die nur dort wachsen können. „Ein weiterer wichtiger Grund, warum wir sogenanntes Totholz im Wald lassen, ist die Tatsache, dass daraus später Waldboden entstehen soll. Es dient quasi als natürlicher Dünger“, ergänzt der Gemeindeförster.

Bericht: Gemeinde Weingarten