Erdölförderung könne 2022 beginnen – News aus dem Gemeinderat

Bericht aus dem Gemeinderat der Gemeinde Weingarten: Erdölförderung scheint wirtschaftlich

Die Probebohrung Steig eins der Rhein Petroleum nach Erdöl im Gewann Bronnloch war erfolgreich. Die Pechelbronner Schichten wurden auf einer Gesamtmächtigkeit von 150 Metern als ölführend in offenbar förderungswürdiger Menge erkannt. Der Geschäftsführer der Firma Dr. Carsten Reinhold berichtete dem Gemeinderat über das geplante weitere Vorgehen. Die Bohranlage wurde mittlerweile bis auf den fest verschlossenen Bohrabschlusskopf abgebaut. Ein Grundwassermonitoring in sechs Meter und in 23 Meter Tiefe habe erwartungsgemäß keine Auffälligkeiten im Grundwasser gezeigt. Dr. Reinhold berichtete weiter von umfangreichen Maßnahmen für den Naturschutz und zur Arbeitssicherheit, von der guten Zusammenarbeit mit der Weingartner Feuerwehr und vom großen Interesse der Besucher im vergangenen Sommer. Rund 140 Personen hätten das Gelände besucht, darunter auch Vertreter des KIT und der Technischen Universität Darmstadt. Im Ergebnis der Bohrung habe man mehr gefunden als vermutet. Daher seien weitere Bohrungen vorgesehen. Der nächste Schritt sei jetzt beim Kieswerk einen Bohr- und Testproduktionsplatz einzurichten. Von dort aus würden sieben Probebohrungen abgetäuft, um die Ausdehnung der Lagerstätte zu erkunden und das Bohrfeld zu entwickeln. Weitere Flächen in unmittelbarer Nähe des Kieswerks werden als Lagerflächen dazugepachtet, insgesamt sei die Fläche größer als für den Bohrplatz notwendig. Ein Scoping-Termin mit Trägern öffentlicher Belange für die geplanten Antragsunterlagen finde statt, ebenso eine Umweltverträglichkeitsvorprüfung, die auch bereits dem ersten Verfahren vorausging. Im März und April werde das Betriebsplanverfahren eingeleitet und zugleich die wasserrechtliche Erlaubnis eingeholt. Frühestens 2021 sei mit dem Vorliegen der Genehmigungen zu rechnen, Mitte 2022 könne mit der Bohrung begonnen werden. Bürgermeister Eric Bänziger fasste zusammen, die Sicherheitsmaßnahmen seien heute deutlich besser als noch vor Jahrzehnten. Auf die Frage von Timo Martin (WBB), ob das Zulassungsverfahren eine hohe Hürde bedeute, betonte Reinhold, die Firma sei auf das Genehmigungsverfahren gut vorbereitet, denn sie hätten für jedes Thema Gutachten von unabhängigen Experten eingeholt. Klaus Holzmüller (FDP) kritisierte den großen Flächenverbrauch von 30.000 Quadratmetern für den Bau der Förderanlage. Es sollte nur so viel Fläche beansprucht werden wie unbedingt notwendig. Matthias Görner (WBB) verwies auf den derzeit fallenden Ölpreis, aber Dr. Reinhold entgegnete, er gehe davon aus, dass dieser sich in Bälde wieder reguliere. Karlernst Hamsen (Grüne Liste) erklärte, seine Fraktion habe von Anfang an einer Ölförderung nicht zugestimmt. Aber bekanntermaßen hatte der Gemeinderat gegen das herrschende Bergrecht keinerlei Handhabe. Auch Wolfgang Wehowsky (SPD) verwies auf die Ablehnung durch seine Fraktion. Dass jetzt „eine kleine Industrieanlage“ am Baggersee entstehe, sei nicht gewollt gewesen. Das Gremium nahm den Vortrag zur Kenntnis.

Bericht: Gemeinde Weingarten, TBR
Bild: Archiv, MeinOrt