Einblicke in die Historie – Seilerei beim Bürger- und Heimatverein

„Wozu braucht man denn Seile?“ Schon die Eingangsfrage von Sonja Güntner zeigte, dass der diesjährige Ferienspaß des Bürger- und Heimatvereins erneut eine Erfolgsstory werden würde. Einblick in die Vergangenheit und Bezug zur Gegenwart sind die beiden Faktoren, die diese Nachmittage so spannend machen. Die Antworten der Kinder flogen nur so: „zum Klettern“, „zum Abschleppen“, „um die Ziege festzubinden“, „zum Seilspringen“ und mehr. „Genau: die wichtigsten Funktionen sind Festbinden und Ziehen“, erklärte Güntner. 

Die ersten Seile seien schon in der Steinzeit aus Pflanzenfasern entstanden. Meist waren Pflanzen wie Hanf oder Sisal mit langen zähen Fasern der Ausgangsstoff für die handwerklichen Seiler. Dann übernahmen Maschinen die Arbeit und heute seien die Pflanzenfasern vorwiegend durch Kunststoff oder sogar Stahl ersetzt. Aber das Prinzip gelte immer noch, nämlich Haltbarkeit durch eine gedrehte, geflochtene oder geknüpfte Verbindung zu erzielen. Dann ging‘s mit Begeisterung ans Ausprobieren. Ein wirkungsvolles Hilfsmittel war die Zwille, die zwei Schnüre zusammendreht und sehr schnell ein Ergebnis bringt. Etwas mehr Geduld erforderte das Drehen von feinen Fäden zu einem Schmuckband. „Wenn Du dazu bunte Wolle nimmst, gibt das ein tolles Geschenkband“, empfahl Mona Meier. Fingerfertigkeit war bei einer filigranen Knüpftechnik für Armbändchen gefragt, aber ein spektakuläres Großobjekt war die Seilmaschine. Bestehend aus zwei Teilen wurden an einem Ende dieses Geräts vier dünne Faserbündel befestigt und am anderen Ende eingehakt. Durch Drehen an einer Kurbel wurden diese vier Schnüre mittels Zahnräder so lange miteinander verdrillt, bis ein langes Seil entstanden war. Sehr lange Seile wurden im 19. Jahrhundert für die Schifffahrt gebraucht, wusste Horst Bartholomä, denn die gesamte Takelage der Segelschiffe bestand aus Seilen. Um die bis zu 300 Meter lange Stücke anfertigen zu können, brauchten die Seiler entsprechend lange Bahnen und diese fanden sie nur in bestimmten Straßen. In Hamburg entstand auf diese Weise die Reeperbahn und erhielt dadurch ihren Namen. Auch ein Beispiel für eine Verwendung von Seilen im Alltag der Bauern im Kraichgau hatte er parat: Erntestricke. Er zeigte einen Haufen unscheinbare Schnüre, jede einzelne nicht allzu lang, aber am Ende mit einem abgerundeten Holzstück versehen. Mit diesen Stricken wurden die geschnittenen Ähren auf dem Feld zu Garben gebunden und mit Hilfe dieses Klötzchens in der Hand war es möglich, das Seil richtig fest zu ziehen.

Bericht: TBR, Marianne Lother
Bild: Symbolbild, Pixabay