Die Holler-Brüder – ein Stück Weingartner Geschichte

Ausstellung Wilhelm und Erwin Holler
Bürger- und Heimatverein würdigt das Wirken der beiden Brüder in ihrem Heimatort Weingarten


Das berichtet der Bürger- und Heimatverein in der TBR: Die Brüder Wilhelm und Erwin Holler, Holzbildhauer und Glasmaler, haben in Weingarten bleibende Eindrücke und Spuren hinterlassen. Der Bürger- und Heimatverein hat ihr Andenken in einer eigenen Ausstellung, federführend von Sonja Güntner zusammengestellt, gewürdigt. Jedes einzelne Objekt hat sie aufwändig und akribisch mit Daten und erläuternden Texten versehen.

Begrüßung durch den Vorsitzenden und Vortrag
Der Vorsitzende Wolfgang Wehowsky begrüßte zur Eröffnung
zahlreiche Gäste, darunter die Tochter von Erwin Holler, Hildegard Schillings-Holler, die heute nahe Frankfurt lebt. Sie und ihre Schwester Angelika Gartner haben Werke aus dem Nachlass der beiden Künstler dem Verein zur Präsentation überlassen. Er begrüßte auch Barbara und Roland Herrmann, die mit musikalischen Vorträgen auf den Veeh-Harfen die Vernissage bereicherten. Hildegard Schillings-Holler berichtete ausführlich aus dem Lebenslauf ihres Vaters und ihres Onkels.

Wilhelm Holler
Wilhelm, der ältere, wurde 1907 in Weingarten geboren. Nach
Abschluss seiner Schreinerlehre und Ausbildung zum Holzbildhauer richtete er sich im Walkschen Haus eine Werkstatt ein.
Von ihm stammen zahlreiche Holzkreuze und andere christliche Darstellungen. Bekannt und beliebt waren aber auch Plattenreliefs mit Weingartner Motiven, Traube und drei Türme, die damals in vielen Weingartner Wohnzimmern hingen. Wilhelm Holler wurde 81 Jahre alt. Im Jahr 1968 wurde Wilhelms einziger Sohn, der Sparkassenangestellte Wolfgang Holler, bei einem Überfall auf die Sparkasse erschossen.

Erwin Holler
Wilhelms Bruder Erwin, geboren 1912, war Glasmaler.
Er genoss eine Ausbildung bei der Glasmalerei Großkopf in
Karlsruhe und eine Weiterbildung an der Kunstgewerbeschule mit Schwerpunkt Kirchenfenster. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen die Fensterwand am Weingartner Friedhof, die 1965 eingebaut wurde, und die Wappenfenster im Rathaus. Schwerpunkte in seinen vielseitigen Interessen waren Natur
und Geschichte. Er wurde 1958 Gründungsmitglied beim Verein der Vogelfreunde und 1965 beim Bürger- und Heimatverein,
um den Abriss der Marktbrücke und die Komplettverdolung
des Walzbachs zu verhindern. Erwin Holler wurde 56 Jahre alt und starb 1968.

Ausstellung im alten Schlachtraum
Die Ausstellung sei von Hildegard Schillings-Holler schon lange angeregt worden, berichtete Sonja Güntner. Aber es habe
einige Zeit gedauert, bis das Bauteam, das ebenso wie alle anderen Vereinsmitglieder ausschließlich ehrenamtlich arbeite, den dafür passenden Raum hergerichtet habe. Es ist der alte Schlachtraum in dem Gebäude an der Durlacher Straße. An der Decke hängen noch Fleischerhaken und Metzgerwerkzeuge sind ebenfalls noch zu besichtigen. Der Raum wurde tadellos renoviert und ist schon an sich eine Sehenswürdigkeit. Die Ausstellung gibt in zahlreichen Bildern, Skulpturen und Texten ein beredtes Zeugnis vom Schaffen der beiden tief in Christentum und Heimatliebe verwurzelten Brüder und Künstler.

Aufschluss über die Genealogie der Familie Holler gibt das
Ortssippenbuch aus dem Besitz des Vereins. Die Ausstellung ist
noch bis zum 3. November an jedem ersten und dritten Sonntag
im Monat von 15 bis 18 Uhr zu sehen.

Bericht: Bürger- und Heimatverein, TBR
Bild: Archiv, MeinOrt