Bedarfsplanung Kinderbetreuung der kommenden drei Jahre vorgestellt

Bericht aus dem Gemeinderat: Die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen ist in Weingarten ungebrochen. Die Koordinatorin Kinderbetreuung Carmen Schlager berichtete über die Ergebnisse der jüngsten Bedarfserhebung. 755 Fragebögen seien versandt worden, die Rücklaufquote habe 51 Prozent betragen.

Bereich U 3 Kleinkindbetreuung
Im Bereich für Kinder unter drei Jahre steige die Nachfrage schneller als der Ausbau zusätzlicher Plätze. Bisher werden in zehn Gruppen einschließlich der Sharingplätze 103 Kinder betreut. 19 Plätze werden von Tageseltern geboten. Um eine Versorgungsquote von 45 Prozent zu erzielen, müssen 30 zusätzliche Plätze geschaffen werden. Möglich wären ein TigeR-Projekt, sobald geeignete Räumlichkeiten gefunden seien und die Erweiterung der Kinderkrippe „Zauberwald“ um eine Gruppe im Dachgeschoss. Außerdem sollte der bis 2022 avisierte Kindergartenneubau im Bereich der Walzbachhalle ebenfalls zwei Kleinkindgruppen enthalten. Es sei ein Problem, Träger und Erziehende zu finden.

Bereich Ü 3 Kindergarten
Für Kinder über drei Jahre stehen insgesamt 466 Plätze zur Verfügung. Zum Stichtag 1. März sind 403 Plätze belegt. Inklusionskinder benötigen zwei Plätze. Ende des Kindergartenjahres 2019/2020 werden alle Plätze planmäßig belegt sein, für das Kindergartenjahr 2020/21 sind noch elf Plätze frei. In dieser Altersgruppe wünschen die Eltern zu gleichen Teilen ausschließlich Plätze mit Verlängerter Öffnungszeit sowie Ganztagesplätze. Dem kommt die Gemeinde nach mit Umnutzung der Regelgruppen des Kindergartens Höhefeldstrolche in VÖ Gruppen und Schaffung von weiteren 50 VÖ-Plätzen im Kindergarten Am Buchenweg. Geht die Nachfrage nach Betreuung in der Regelgruppe weiter zurück, soll auch das Angebot in Sankt Franziskus angepasst werden. Der Naturkindergarten hat seit seiner Umsiedlung vom Sohl ins Gewann Streitäcker einen deutlich größeren Zulauf erhalten. Mittlerweile übersteigt die Nachfrage die Anzahl der verfügbaren Plätze.

Ausblick Kindergartenjahre 2020 – 2023
Die geburtenstarken Jahrgänge 2014 bis 2017 brachten durchschnittlich jährlich 126 Kinder. Diese sind noch bzw. kommen jetzt in den Kindergarten. Durch die schrittweise Vorverlegung des Einschulungsstichtags vom 30.09. auf den 30.06. verbleiben in den nächsten Jahren mehr Kinder ein Jahr länger im Kindergarten. In 2021 ist voraussichtlich wieder mit einer deutlichen Zunahme von Kindern mit Fluchterfahrung zu rechnen. Der geplante Wohnungsbau auf dem Areal Sebold und dem Areal Schlimm wird einen weiteren Zuzug von jungen Familien bringen. Bis zur Fertigstellung des Neubaus an der Walzbachhalle mit vier Kindergartengruppen können bei Bedarf übergangsweise bis zu zwei VÖ-Gruppen in Modulbauweise am Standort Buchenweg 42 geschaffen werden.

Das Fazit der Bedarfsumfrage lautet:
50 Prozent der Plätze sollen Ganztagesplätze sein. Es besteht der Wunsch nach Vereinheitlichung der Schließtage und einer möglichst geringen Anzahl von Schließtagen. Es gibt ein Spannungsfeld zwischen Schließtagen und bestehendem Fachkräftemangel.

Hortbetreuung
Die steigende Nachfrage schlägt sich auch in der Hortbetreuung nieder. Die Betriebserlaubnis wurde auf 70 Kinder erhöht, wobei nach wie vor nur 50 Kinder gleichzeitig anwesend sein dürfen. Die Kernzeitbetreuung bis 14 Uhr wurde in die Schule verlegt, da die Räume in der Bahnhofstraße 3 nicht mehr ausreichten. Den Kindern, die zum September 25 Hortplätze frei machen, stehen bereits jetzt 24 neu angemeldete Kinder gegenüber. Um den zusätzlichen Bedarf zu decken wird die Gemeinde eine weitere Wohnung in der Bahnhofstraße 3 zur Schulkindbetreuung umbauen.

Zusammenfassung
Abschließend fasste Bürgermeister Bänziger zusammen: Die Situation im Kindergartenbereich sei nicht mehr so angespannt wie erwartet. Darum solle die Gemeinde, bevor sie einen Invest von fünf Millionen tätige, zunächst abwarten, wie sich der Kindergartenbereich entwickle und auf Sicht fahren. Da mit einer dreijährigen Bauzeit zu rechnen sei, wäre eine modulare Bauweise übergangsweise in Betracht zu ziehen. Ganz wichtig sei die steigende Tendenz zur Ganztagesbetreuung. Die Träger bestehen auf der Lage und Anzahl der Schließtage als Wertschätzung ihrer Mitarbeiter und stehen damit im Konflikt zu den Forderungen der Eltern. Bürgermeister Bänziger erläuterte, es könne nicht jedes Jahr aufs Neue über die Lage der Ferien diskutiert werden. Nicolas Zippelius (CDU) lobte die Bedarfsabfrage, die eine hohe Rückmeldequote erzielt habe. Das sollte auch in Zukunft jährlich so gehandhabt werden, denn das bringe quantitative Erfahrungen, die eine bedarfsgerechte Planung ermöglichten. Es sei ein sehr aufwändiges Verfahren, entgegnete Bürgermeister Bänziger dazu, darum sei es nur alle zwei Jahre vorgesehen. Das Gremium stimmte dem Vorgehen einstimmig zu.