2021er Jahrgang stellt Winzer vor Herausforderungen

„Da waren einige Trauben dabei, die man eigentlich direkt hätte entsorgen können“, sagt Volker Hartmann, Kellermeister der Weinmanufaktur. Bei seinem letzten Rundgang vergangene Woche sieht er die Folgen des feuchten Wetters im gesamten Ausmaß.

Viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit, schwüle Hitze: Das Wetter war in den vergangenen Wochen fatal für die Weinberge in Weingarten. Pilze fanden ideale Bedingungen vor und verbreiteten sich schnell. „Manche Weinberge sind mehr, manche weniger betroffen. In diesem Ausmaß habe ich das aber so noch nicht gesehen“, so der Kellermeister. Die Ausbreitung der Pilzkrankheiten, darunter „Peronospora“, also der falsche Mehltau, sowie auch der sogenannte echte Mehltau, hat ganz individuell stattgefunden – abhängig vom Standort des Weinbergs und der jeweiligen Sorte. Durch das extrem schnelle Wachstum waren Pflanzenschutz und Laubarbeiten nicht immer termingerecht möglich, was die Infektionen natürlich noch unterstützt.“

Was ist Mehltau eigentlich?
Beim falschen Mehltau erkennt man Ölflecken auf den Blättern und die Trauben färben sich nach und nach schwarz, trocknen ein und fallen irgendwann ab. Das führt zu einem Mengenverlust in den betroffenen Weinbergen.

Beim echten Mehltau kommt es zu einem Belag, dem sogenannten „Pilzrasen“ auf den Blättern und Trauben. Die Beeren platzen auf; außerdem verursacht der Befall eine starke Geschmacksbeeinträchtigung beim späteren Wein. Deshalb können betroffene Trauben nicht für die Produktion verwendet werden.

Was bedeutet das feuchte Wetter für die Winzer?
„Eine Herausforderung“, so Hartmann. Durch die idealen Voraussetzungen für Pilze war 2021 ein schwieriges Pflanzenschutzjahr. Aufgrund der Feuchtigkeit war es schwierig, die Beläge überhaupt auf den Pflanzen aufzubringen, auch die Befahrbarkeit der Anlagen gestaltete sich als schwieriger. Im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren, wo es eher trocken und heiß war, also wieder eine ganz neue Situation, auf die sich die Winzer einstellen mussten.

„Um dieses Jahr eine gute Qualität zu erreichen, müssen einige Winzer aufgrund der äußeren Begebenheiten mehr tun, als in den vergangenen Jahren“, so der Kellermeister. Es bestehe aber kein Grund zur Panik – die Wettereinflüsse spielen jedes Jahr eine Rolle und stellen die Winzer vor mal mehr und mal weniger große Herausforderungen.

Trotz aller Anstrengungen werden 2021 aber weniger Trauben in den Butten landen, als noch im vergangenen Jahr. Wobei es Weinberge gibt, die ein Totalausfall werden könnten und wiederum andere, bei denen nur wenige Trauben betroffen sind. Rund 30% weniger Ertrag könnten es insgesamt am Ende werden, so die erste Schätzung. Um den genauen Schaden zu beziffern muss allerdings noch abgewartet werden.

Feststeht: Betroffene Winzer, die die Lese normalerweise mit dem Vollernter durchführen, müssen die kranken Trauben zuerst aus den Anlagen entfernen, bevor die Maschine zum Einsatz kommen kann – denn der Vollernter unterscheidet nicht zwischen gesunden und befallenen Trauben. In den älteren Lagen, zum Beispiel am Petersberg, sind die Winzer das wegen den eng stehenden Reihen aber ohnehin gewohnt.

In den verbleibenden Wochen hoffen die Winzer jetzt auf trockenes Wetter.

Wann beginnt der Herbst?
Die Blüte war dieses Jahr um den 17. Juni, das weiß Volker Hartmann auch ohne Blick in den Kalender. Von diesem Datum an rechnet er 90 Tage bis zur Weinlese. Das bedeutet Mitte September wird mit den ersten Sorten begonnen. Wann welche Sorte dran ist, gibt die Weinmanufaktur wie jedes Jahr an die Winzer weiter.

Dann geht es für die Winzer und ihre fleißigen Helfer wieder in die Weinberge und in der Kirchbergstraße reihen sich Traktor an Traktor. Die Winzer aus Weingarten, aber auch aus einigen umliegenden Ortschaften wie dem Walzbachtal liefern dann ihre Trauben zur Weinmanufaktur auf den Kirchberg, wo der Weingartner Wein dann in den Fässern reifen wird. Die Abfüllung findet bei der Winzergenossenschaft in Schliengen statt.

Was erwartet uns beim 2021er Jahrgang?
„Dieses Jahr möchten wir wieder etwas neues probieren“, berichtet der Kellermeister. Es ist eine Selection von Auxerrois Trauben geplant. Ein erster Versuch für die Weinmanufaktur in diesem Feld, der besondere Voraussetzungen, eine längere Produktion und eine besonders hohe Qualität verlangt. Als Ergebnis sind rund 1.500 Liter des besonderen Erzeugnisses geplant, welches separat als Sonderedition ausgebaut werden soll.

Mit neuen Projekten kennt sich die Weinmanufaktur aber aus: Der erste Jahrgang des Crémant, des badischen Champagners, war ein voller Erfolg. 2021 soll es deshalb weitergehen. „Wir sind stolz auf unseren Crémant, ein tolles Produkt, das zur Weingartner Institution werden kann.“

Bericht: MeinOrt Weingarten